Samstag, 16. November 2013

Nachdenkliches....von Astrid Lindgren


 Ein Gedicht von einer grossen Frau

Wäre ich Gott,
dann würde ich
weinen
über die Menschen,
sie, die ich geschaffen
zu meinem Ebenbild.
Wie ich weinen würde
über ihre Bosheit
und Gemeinheit
und Rohheit
und Dummheit
und die armselige Güte
und hilflose Verzweiflung
und Trauer.
Und wie ich weinen würde
über ihre Herzensangst
und ihren ewigen Hunger
ihre Sorge
und Todesfurcht
und trostlose Einsamkeit
und über ihre Schicksale,
ihre erbärmlichen kleinen
Schicksale

und ihr blindes Tasten

nach jemand...


irgendeinem!

vielleicht nach mir!
-
Und wie ich weinen
würde
über alle Todesschreie
und alles Blut, das so
vergeblich fließt,
so zutiefst vergeblich,
und über den Hunger
und die Hoffnungslosigkeit
und die Not
und alle wahnsinnigen
Qualen
und einsame Tode
und über die Gefolterten,
die schreien und schreien,
und über die Folterer
noch mehr.
-
Und dann die Kinder,
alle, alle Kinder,
über sie würde ich
am allermeisten weinen.
Ja, wäre ich Gott,
gewiss würde ich viel
über die Kinder weinen,
denn nie habe ich mir
gedacht,
dass sie es so wie jetzt
haben sollten.
Ströme, Ströme
würde ich weinen, damit
sie ertrinken könnten
in den gewaltigen Fluten
meiner Tränen,
alle meinen armen Menschen,
und endlich Ruhe wäre.


Astrid Lindgren
aus dem Schwedischen von Anna-Liese Komitzky

Kommentare:

einfachtilda hat gesagt…

♥ ♥ ♥

flowerywallpaper hat gesagt…

Danke für dieses Gedicht. Liebe Grüße, Ernestus